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1. April 2020
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Auf ein Wort zum Imagefilm

Der klassische Imagefilm hat einen schlechten Ruf. Verstaubt, langweilig, eben so 90er! Der Imagefilm wurde schon x-Mal für mausetot erklärt. Und trotzdem ist dieses Genre offenbar quicklebendig. Bei Google zählt der Begriff  „Imagefilm“ jedenfalls zu den häufigsten Suchanfragen im Zusammenhang mit der Auftragsproduktion. Völlig aus der Welt kann diese Art Film also nicht sein.

Im Englischen spricht man vom „Corporate Video“, einem Unternehmensfilm. Und unter diesen Begriff fallen dann eine Vielzahl verschiedener Arten von Filmen, nicht nur die klassische Unternehmensdarstellung sondern auch Erklärvideos, Leadership Videos, Recruitingvideos, Produktvideos, Projektfilme…Das Corporate Video ist im Deutschen der Imagefilm. Insofern wird bei uns oft von einem Imagefilm gesprochen, aber häufig etwas anderes gemeint.

Eine lange Geschichte kurz erzählt

„Arbeiter verlassen die Fabrik“  F 1895, Brüder Lumière

Der Imagefilm war der Nachfolger des Industriefilmes. Einem Genre, dass sich schon in den Anfangstagen des Films großer Beliebtheit erfreute. Letztlich war schon der erste Film der Welt ein Industriefilm. Im Jahr 1895 stellte Louis Lumière in Paris das von ihm entwickelte kinematographische Verfahren mit dem eine Minute langen Film „Arbeiter verlassen die Fabrik“ vor.

Spätere Industriefilme zeigten meist den technischen Fortschritt in der industriellen Fertigung, etwa in der Stahlindustrie, dem Maschinenbau, der Chemie- und Elektrotechnik. In den 70er Jahren wurde aus dem Industriefilm der „Wirtschaftsfilm“, denn längst gab es neben der Industrie andere wichtige Wirtschaftsbranchen, etwa im Dienstleistungssektor, Versicherungen, Handel, Tourismus. Und das Genre erfreute sich großer Beliebtheit. „Vorstandsfilme“ wurden sie von den Machern auch gerne genannt, da sich die Vorstände großer Unternehmen mit diesen Filmen gerne selbst beweihräucherten. Doch viele Filme hatten auch einen echten Mehrwert für den Betrachter, erlaubten sie doch einen Blick hinter die Kulissen der Wirtschaft, der im Fernsehen meist zu kurz kam. 1968 stiftete der deutsche Wirtschaftsminister den Deutschen Industriefilmpreis (seit 1980: Deutscher Wirtschaftsfilmpreis). Das Video zum 50jährigen Jubiläum haben wir produziert.

 

Imagefilme für alle

Und in den 90er Jahren kam dann der Imagefilm auf. Die Videotechnik machte es möglich. Die Produktion wurde günstiger. Kostete ein Wirtschaftsfilm in den 70er Jahren noch durchschnittlich 100.00 Mark, war man nun schon mit um die 10.000 Euro dabei. Jede kleine Firma konnte sich einen Imagefilm leisten. Die Entwicklung des MP4-Formats und das immer leistungsstärker werdende Internet machten die massenhafte Verbreitung möglich.

In den Anfangstagen des Imagefilmes handelte es sich meist um einen Film, der länglich von einem Unternehmen erzählte. Das Unternehmen wurde im positiven Licht vorgestellt mit seinem Sitz, seinen Mitarbeitenden und seinen Produkten. Da wurden Gebäudefassaden abgeschwenkt, man sah den firmeneigenen Parkplatz, das Außenschild, der Chef saß gewichtig am Schreibtisch, und ein OFF-Sprecher erzählte, was man im Bild ohnehin sah und wie toll die Firma ist. In den Film musste bis zur Teeküche wirklich alles rein. Und so ein Film musste mindestens fünf Jahre halten, häufig zehn.

Schon damals waren das nicht selten fürchterliche Filme, die kaum jemand außer die Auftraggeber selbst toll fanden. Nicht einmal die Mitarbeitenden identifizierten sich meist damit, auch wenn sie im Gruppenbild am Ende selbst alle fröhlich lachend in die Kamera winkten. Diese Art Imagefilme, die dem Image teilweise eher schaden, gibt es natürlich noch immer. Bei verschiedenen Anbietern kann man sie oft zum kleinen Festpreis von der Stange kaufen.

Kreative Weiterentwicklung

Doch unterdessen hat sich das Format „Imagefilm“ zum Glück deutlich weiterentwickelt. Die Unternehmen und Institutionen haben verstanden, dass sie in ihren Imagefilmen besser nicht von sich her denken, sondern von ihren Kunden, Klienten oder Nutzern. Den Betrachter*innen wird mittlerweile weniger das Unternehmen an sich vermittelt, als welchen Nutzen seine Tätigkeit für sie oder die Welt hat. Es geht um Markenbildung und Storytelling, um Visionen, Innovationen und Ideale.  Und auch die Macher haben verstanden, dass es sich zwar um Auftragsproduktionen handelt, beide Seiten aber davon profitieren, der Kreativität Raum zu geben. Nur dann kann das Wunder passieren, auf das alle Marketingleute natürlich hoffen: Der Film geht viral.

 

Der Imagefilm – ein Aushängeschild

Für einen erfolgreichen Imagefilm ist eine erzählerische und gestalterische Idee entscheidend. Sie muss das gewünschte Image des Unternehmens vermitteln, eine gute und gut umgesetzte Idee sorgt für Sympathien. Gute Imagefilme sind meist kurzweilig, oft setzen sie auf Humor oder setzen dort an, wo die Betrachter*innen der Schuh drückt. Sie erzählen eine Geschichte und vermitteln ein Gefühl und meist weniger Zahlen, Daten, Fakten. Gute Imagefilme sind aber vor allem immer gut produziert. Selbst wenn der Look bewusst handgestrickt sein soll: Die Qualität muss unbedingt stimmen. Denn Imagefilme sind nun einmal ein Aushängeschild.